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Leseprobe:
KAPITEL
1 Wenn
man Teenager hat
Ist Kochen eine Kunst?
Für Carina auf jeden Fall.
Erfüllte Kochen doch alle Kriterien,
nach denen man Kunst getrost definieren konnte - wenigstens nach
dem Verständnis von Carina Renner, die sich auf eigene
Erfahrungswerte und besonders auf die ihrer kunstschaffenden
Ex-Kommilitonin und Freundin Beate Schäfer stützte: Es ist
eine Leidenschaft, macht viel Arbeit und reizt zu Kritiken.
Die können extrem sein, je nachdem, ob die
Konsumenten das Produkt des Schaffensprozesses lieben oder nicht
- und es bringt nichts ein, wenn man nicht zu den Top-10 der
Szene gehört.
Nun, Carina liebte das Erzeugen von Speisen, das
Hantieren mit Lebensmitteln, das Schnippeln von Gemüse, das Würzen
von Fleisch, das Bearbeiten von Teigen. Am liebsten tobte sie
sich mit immer neuen Kreationen von Fingerfood aus.
Sie war mit Klaus Renner verheiratet, einem
bekannten Augenarzt, hatte die eigene Karriere für Kinder und
Familie hintangestellt, auch wenn sie ein abgeschlossenes
Kunststudium ihr Eigen nannte. Aber dann kamen da ihre beiden
Sprösslinge, Jennifer, mittlerweile anstrengende 17 und damit
im besten Motz-Kritik-Mäkel-Alter, und der zwei Jahre jüngere
Tobias.
Letztgenannter stürmte gerade die häusliche
Festung, als Carina die Trennhäutchen und Kerne einer roten
Paprika entfernte. Sie seufzte bei der Erwartung, was jetzt
wieder kommen würde, strich sich eine Strähne ihres üppigen
brünetten Haares aus der Stirn und wappnete sich.
Wer in jungen Jahren den Wunsch verspürt, Kinder in
die Welt zu setzen, sollte gleichzeitig mit dem Training des
Gedankenlesens beginnen, das entgegen der üblichen Meinung
durchaus erlernbar ist.
Man wird es brauchen.
Carina und ihr Mann züchteten sich mit dem
ehemaligen Kinderwunsch nämlich bald Teenager, die diese Kunst
von den Eltern einfach voraussetzen. Ansonsten würden jene
rettungslos untergehen. Ein gutes Gedächtnis ist stark von
Nutzen und erleichtert den Weg zum Erfolg.
Carina stand also an ihrer Küchenplatte vor
Schneidebrett und Wok und bereitete nicht gerade das
Lieblingsgericht ihres 15-jährigen Sprösslings im Flegelalter
zu. Gemüse ging gar nicht. Dennoch zerteilte sie das geputzte,
gesunde Gargut auf dem Schneidebrettchen in mundfreundliche Stücke.
Tobias erschien mal wieder etwas verspätet (was auf Krach mit
dem Freund hindeutete). Mit der für dieses Alter typischen
Laune erschnüffelte er erbost die gesunde Kost und knallte ihr
statt einer Begrüßung nur zwei Worte an den Kopf:
„Hast du´s?“
Die Mutter machte jetzt nicht den Fehler, mit den
Worten: „Was denn?“, nachzufragen. Dies würde einen
aufgebrachten Schwall an Vorwürfen und Schilderungen
vergangener Situationen hervorrufen. Da sie aber den ganzen
Vormittag mit ihren eigenen Problemen und Arbeiten beschäftigt
war, und sich eben nicht ständig im Kopf ihres Ablegers befand,
benötigte sie jetzt ihre erlernte Gabe.
„Selbstverständlich“, lautete also die kurze
wie korrekte Antwort und sie verwies auf das Sideboard.
Hintergrund: Vor drei Tagen hatte Tobias sie
ebenfalls beim Heimkommen kurz davon in Kenntnis gesetzt, dass
er eine unterschriebene Genehmigung benötigt, beim Schulausflug
in der nächsten Woche alleine die zu besuchende Stadt unsicher
machen zu dürfen. Da Carina mit dem Essen alle Hände voll und
vor allem mehlbestäubt hatte, weil sie einen Quiche-Teig
knetete, war die prompte Erledigung nicht möglich. Der Sohn
hatte sie selbstverständlich nicht mehr daran erinnert und das
Blatt auch nicht vorgelegt. Morgen muss er den Wisch spätestens
abgeben, heute hatte er deswegen einen Anschiss erhalten. Carina
hatte das von ihm noch nicht einmal ausgefüllte Formular am
Vormittag unter seinem Bett gefunden und den Auftrag erledigt.
Tobias grummelte irgendwas in seinen noch nicht
vorhandenen Bart, beim Essen würde er schon damit herausrücken,
was da mit dem Freund gewesen war. Mittagessen war Redezeit, ein
ungeschriebenes Gesetz im Hause Renner.
Ungerührt schnitt Carina eine Zwiebel in kleine
Streifen und nahm sich nun die Zucchini vor, die sie sorgsam stückelte.
Gekaufte Zucchini, wohlgemerkt, nicht selbst gezogen. Es würde
eine Gemüsepfanne geben, mit kleinen Kartoffelwürfeln und
Fleischwurstscheibchen. Nicht die erste Wahl bei den Teenies,
aber eben noch toleriert. Die Kartoffeln waren vorher frittiert,
das gibt dem Ganzen ein Flair von Pommes und das machte trotz
gesunder Gemüsekost wieder Punkte bei der Jugend.
Jetzt drehte sich der Schlüssel ein weiteres Mal im
Haustürschloss, Jennifer kam heim: süße siebzehn und mit
einem Luftvorrat beim Sprechen über die Schulvorkommnisse im
allgemeinen, ihren Freundinnen und Jungs im Besonderen
ausgestattet, die einen asiatischen Perlentaucher vor Neid
erblassen lassen würde.
Im Schwall der neusten Insiderinformationen über
Amelie, Sophie, Ida, Leon und Lucas fügte sich der Halbsatz an:
„Wenn die dumme Made mir den letzten Punkt noch
gegeben hätte, die dumme Kuh ...“
Carina wusste natürlich sofort, dass es sich dabei
um die Herausgabe der Englischarbeit handelte, die heute fällig
(so viel zum Thema Gedächtnis) und wohl wieder danebengegangen
war. Denn mit der dummen Made meinte sie zweifelsfrei ihre
Lehrerin Helen Mastermade, kurz „Made“ geschimpft, mit der
sie ständig im Clinch lag. Warum die junge Dame aber gerade
jetzt daran gedacht hatte? Weil Leon genauso viele Punkte wie
Amelie vorweisen konnte, und beide noch schlechter abgeschnitten
hatten, als sie.
„Deckt mal den Tisch“, war die einzige Möglichkeit,
die Redeflut mit Tsunamicharakter ein wenig zu unterbrechen,
damit sie sich auf die nächsten Schritte beim Kochen
konzentrieren konnte. Obwohl vor beiden Kindern ausgesprochen,
kam dieser Aufforderung natürlich nur die Tochter nach; Tobias
hatte sich auf die Couch geschmissen und nickte leicht zu den
unhörbaren Klängen aus seinem iPod. Aber schon nahm er einen
der beiden Kopfhörer aus dem Ohr, als sie den
Pfannenuntersetzer zusätzlich zwischen die Teller stellte, und
setzte an:
„Kannst du mir mal …?“
Carina machte sich immer wieder ein Jux daraus,
ihren nassforschen Filius zu verblüffen, der ihre Nerven zu
hochwertigen Drahtseilen geformt hat, indem sie den begonnenen
Satz beantwortete, bevor der ihn ganz ausgesprochen hatte:
„Von mir aus, Toby, aber nur zehn Euro!“
„Woher weißt du, was ich jetzt wollte?“
Das war leicht und hatte mit echtem Gedankenlesen
nichts zu tun: Teenager brauchen immer Geld.
Mittlerweile hatte sich auch Klaus dazugesellt, die
Praxis in der kleinen pfälzischen Stadt lag fast um die Ecke.
„Mhmm, das duftet ja verführerisch“, freute er
sich auf die Mahlzeit.
Der Mittvierziger war schlank, athletisch gebaut und
hatte mit der Figur, so ganz im Gegensatz zu seiner Frau, überhaupt
kein Problem. Carina dagegen lag im ständigen Clinch mit ihren
Pölsterchen. Sie machte, was ihr an körperlicher Länge
fehlte, mit dem Wachsen in die Breite um die Körpermitte wieder
wett und hatte den Treueschwur bei ihrer Hochzeit vor 19 Jahren
‚wir wollen niemals auseinandergehen‘ in dieser Hinsicht
nicht eingehalten. Obwohl sie sich so manches verkniff und durch
zweimaligen Sport in der Woche versuchte, den quellenden Massen
um die Bauchregion Herr, pardon, Frau zu werden, wurde sie
dennoch von recht mäßigem Erfolg verlacht. Wenn sich die Vier
mittags ein ganzes Hähnchen teilten, bevorzugten ihre Kinder
die Schenkel, ihr Mann aß gerne das Brustfleisch. Carina wurde
generell vom kümmerlichen Rest ohne Haut - - - dick.
und
schon mal ein Rezept:
Zucchinibrot
Zutaten:
4 Eier
400 g Zucker
200 g zerlassenen Butter
500 g Mehl
1 TL Salz
1 Pck. Vanillezucker
1 Pck. Backpulver
3 TL Zimt
150 g gemahlene Mandeln
500 g geriebene Zucchini (mit einem Tuch
ausdrücken)
Eier, Zucker, Butter mit einem Rührgerät
gut verrühren (schaumig rühren), Mehl mit Salz, Backpulver,
Vanillezucker und Zimt weiter unterrühren, Nüsse hinzufügen.
Zum Schluss die in einem Küchentuch etwas ausgedrückten
Zucchini einrühren.
Ein Backblech mit Backfolie auskleiden,
so damit die Ränder etwas überstehen. Den Teig auf die
Backfolie gleichmäßig verteilen.
Bei 180° C 60 – 80 Minuten backen, Hölzchenprobe
durchführen. Nach dem Backen noch 15-20 Min. abkühlen lassen,
dann mit Puderzucker bestreuen.
Nach dem Abkühlen in ca. 5x5 cm große
Quadrate schneiden.
Das Zucchinibrot hält sich, in Alufolie
verpackt, lange frisch und lässt sich gut einfrieren.
Arbeitszeit: ca. 20 Min. + Backzeit
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